Historischer Hintergrund der „Thor Heyerdahl“

image002Der Toppsegelschoner „Thor Heyerdahl“ wurde 1930 als Frachtmotorsegler in Westerbroek/Holland gebaut und fuhr nach 1945 als Kümo unter den Namen „Tinka“, „Silke“ und „Marga Henning“ unter deutschen Eignern und zuletzt als „Minnow“ unter Panama-Flagge.

1979 ersteigerte Detlef Soitzek das zu der Zeit in Hamburg-Harburg aufliegende Schiff und baute dies von 1979 bis 1983 mit seinem damaligen Partner Günter Hoffmann und mit Hilfe der Howaldtswerke-Deutsche Werft in Kiel sowie vielen freiwilligen Helfern in ein Segelschiff mit der Takelung eines Toppsegelschoners um.

Der norwegische Forscher Thor Heyerdahl übernahm aufgrund der persönlichen Verbindung zu Detlef Soitzek, der an seiner Tigris-Expedition teilgenommen hatte, die Patenschaft für den Jugendsegler und taufte ihn 1982 persönlich auf seinen Namen.

Nach 24 Jahren Einsatz als Jugendsegler wurde die „Thor Heyerdahl“ von Oktober 2007 bis Mai 2009 bei der Howaldtswerke-Deutsche Werft GmbH Kiel grundsaniert (der Rumpf wurde neu gebaut) und erhielt im Juni 2009 erneut die Fahrterlaubnis für die weltweite Fahrt. Die Sanierungsarbeiten wurden unter Einbeziehung der zuständigen Behörden BG Verkehr (Berufsgenossenschaft Transport und Verkehrswirtschaft, früher: See-Berufsgenossenschaft) und GL (Germanischer Lloyd AG) durchgeführt.

Das bedeutet: Die „Thor Heyerdahl“ ist nach den Bestimmungen der BG Verkehr (Traditionsschiffsverordnung) und den internationalen Regelwerken gebaut und ausgerüstet worden.

Historische Signifikanz der „Thor Heyerdahl“

Die Linienführung der „Thor Heyerdahl“ entspricht der eines Frachtenseglers, der Ladung im Umfang von 315 Ladetonnen aufnehmen konnte.
Das Rigg ist den historischen Vorbildern der Marstal-Schoner nachgebildet und mit fachlicher Beratung der HDW-Taklerei konzipiert worden. Bei HDW wurde damals noch regelmäßig die „Gorch Fock“ überholt. Einige Takler der HDW hatten die „Pamir“ und die „Passat“ in Kiel-Dietrichsdorf aufgeriggt und überholt, ihr Meister war noch als Bootsmann auf der „Pamir“ gefahren.

So entstand das Rigg der „Thor Heyerdahl“, dessen Wanten mit Talljereeps gespannt und dessen Beschläge und Takelage der handwerklichen Seemannschaft der Frachtensegler wie „Pamir“, „Passat“ und „Gorch Fock“ nachempfunden sind.
Sowohl das Erscheinungsbild der „Thor Heyerdahl“ als Ganzes, als auch unzählige Einzelteile des Schiffes vermitteln das Bild eines traditionellen Fracht-Segelschiffes. Die „Thor Heyerdahl“ ist deshalb zum Erleben und zur Weitervermittlung der Kenntnisse und Fertigkeiten der Traditionsschifffahrt in besonderer Weise geeignet.